Dienstag, 14. Mai 2013
Montag, 13. Mai 2013
Schon wieder Käsebrote!
Nicht-Erleuchtete erkennen nicht, dass sie selbst die Ursache all ihrer
Sorgen sind.
In der Fabrik war Mittagspause, und ein
Arbeiter öffnete trübselig sein Lunchpaket. „Ach nein", sagte er laut,
„schon wieder Käsebrote."
So ging es zwei-, drei-, viermal
hintereinander. Dann sagte ein Kollege, der das Gebrumme des Mannes gehört
hatte: „Wenn du Käsebrote so sehr hasst, warum sagst du dann nicht deiner Frau,
sie solle dir andere Schnitten machen?"
„Weil ich nicht verheiratet bin. Ich mache
mir diese Brote selbst."
Anthony de Mello
Freitag, 10. Mai 2013
Befragt über sein Verhältnis zur Natur, sagte Herr K.:
„ich würde gern mitunter aus dem Haus tretend ein paar
Bäume sehen.
Besonders da sie durch ihr der Tages- und Jahreszeit
entsprechendes Andersaussehen
einen so besonderen Grad von Realität erreichen.
Auch verwirrt es uns in den Städten mit der Zeit,
immer nur Gebrauchsgegenstände zu sehen,
Häuser und Bahnen, die unbewohnt leer, unbenutzt sinnlos
wären.
Unsere eigentümliche Gesellschaftsordnung läßt uns ja auch
die Menschen
zu solchen Gebrauchsgegenständen zählen,
und da haben Bäume wenigstens für mich, der ich kein
Schreiner bin,
etwas beruhigend Selbständiges, von mir Absehendes,
und ich hoffe sogar, sie haben selbst für die Schreiner
einiges an sich, was nicht verwertet werden kann."
etwas beruhigend Selbständiges, von mir Absehendes,
und ich hoffe sogar, sie haben selbst für die Schreiner
einiges an sich, was nicht verwertet werden kann."
Donnerstag, 9. Mai 2013
Diogenes
Der Philosoph Diogenes aß zum Abendbrot Linsen. Das sah der Philosoph Aristippos,
der ein angenehmes Leben führte, indem er dem König schmeichelte.
Sagte Aristippos: „Wenn du lerntest, dem
König gegenüber unterwürfig zu sein, müsstest du nicht von solchem Abfall wie
Linsen leben."
Sagte Diogenes: „Wenn du gelernt hättest, mit
Linsen auszukommen, brauchtest du nicht dem König zu schmeicheln."
Mittwoch, 8. Mai 2013
Der Arzt weiß es besser
Der Arzt beugte sich über die leblose Gestalt im Bett. Dann richtete er
sich auf und sagte: „Es tut mir leid, aber ich muss Ihnen sagen, Ihr Mann lebt
nicht mehr, meine Liebe."
Von der leblosen Gestalt im Bett kam ein
schwacher Protest: „Doch, ich lebe noch."
„Halt den Mund", sagte die Frau, „der
Arzt weiß das besser als du."
Anthony de Mello
Dienstag, 7. Mai 2013
Samstag, 4. Mai 2013
Wir Steine
wenn einer uns hebt
hebt er Urzeiten empor-
wenn einer uns hebt
hebt er den Garten Eden empor-
wenn einer uns hebt
hebt er Adams und Evas Erkenntnis empor
und der Schlange staubessende Verführung.
Wenn einer uns hebt
hebt er Billionen Erinnerungen in seiner Hand
die sich nicht auflösen im Blute
wie der Abend.
Denn Gedenksteine sind wir
alles Sterben umfassend.
Wenn einer uns wirft -
wirft er den Garten Eden -
den Wein der Sterne -
die Augen der Liebenden und allen Verrat-
Wenn einer uns wirft im Zorne
so wirft er Äonen gebrochener Herzen
und seidener Schmetterlinge.
Hütet euch, hütet euch
zu werfen im Zorn mit einem Stein -
unser Gemisch ist ein vom Odem Durchblasenes.
Es erstarrte im Geheimnis
aber kann erwachen an einem Kuß.
Nelly Sachs
Abonnieren
Posts (Atom)