Dienstag, 7. Januar 2014


Was würden Sie tun, wenn Sie das neue Jahr regieren könnten?


 





Ich würde vor Aufregung wahrscheinlich
Die ersten Nächte schlaflos verbringen
Und darauf tagelang ängstlich und kleinlich
Ganz dumme, selbstsüchtige Pläne schwingen.


Dann - hoffentlich - aber laut lachen
Und endlich den lieben Gott abends leise
Bitten, doch wieder nach seiner Weise
Das neue Jahr göttlich selber zu machen.


Joachim Ringelnatz, 1883-1934


                                                                                                                                                                       

Montag, 6. Januar 2014



 Nichts beschreibt besser die menschliche Natur 
als die Geschichte des armen Betrunkenen, 
der spät nachts außerhalb eines Parkes am Zaun rüttelt 
und schreit: „Lasst mich raus!"

Nur deine Illusionen 

hindern dich an der Erkenntnis, 
dass du frei bist - 
und es immer warst.  

Anthony de Mello

Sonntag, 5. Januar 2014




Gott war unbegreiflich, 
unnahbar, unsichtbar 
und unvorstellbar. 

Er ist Mensch geworden,
 uns nahe gekommen in einer Krippe, 
damit wir ihn sehen und begreifen können.

Bernhard von Clairvaux

Freitag, 3. Januar 2014


Endlich aufbrechen



Endlich sollten wir zum Pilgerstab greifen,

aufbrechen mit ein wenig hartem Brot in der Tasche

und in der Gesinnung der Umkehr,

damit uns wieder aufgeht, wie großartig unser Körper ist:

Tempel Gottes.



Damit niemand auf diesem harten Weg der Umkehr den Mut verliert,

möchte ich – vor allem den Schwachen – eine Geheimnis verraten:

Vertraut nicht eurem eigenen Mut, verlaßt euch nicht auf euren Willen.

Verlaßt euch auf das Gebet! …


Tugend führt nicht zum Beten,

aber Beten führt zur Tugend.


Die Bemühungen des Menschen allein,

wenn auch notwendig, sind nicht genug.


Entscheidend ist die Begegnung

des menschlichen Mühens mit dem kommenden Gott,

eine Begegnung, die nur das Gebet herbeigeführt …

Der Mensch, der klagen, weinen und beten kann

wird am Tiefpunkt seiner Schwäche

die Stärke Gottes erfahren.

Carlo Caretto



Donnerstag, 2. Januar 2014



Eine meiner Lieblings"geschichten"

Eine chinesische Geschichte erzählt von einem alten Bauern, der ein altes Pferd für die Feldarbeit hatte. 
Eines Tages entfloh das Pferd in die Berge, 
und als alle Nachbarn des Bauern sein Pech bedauerten, antwortete der Bauer: „Pech? Glück? Wer weiß?" 
Eine Woche später kehrte das Pferd mit einer Herde Wildpferde aus den Bergen zurück, 
und diesmal gratulierten die Nachbarn dem Bauern wegen seines Glücks. 
Seine Antwort hieß: „Glück? Pech? Wer weiß?" 
Als der Sohn des Bauern versuchte, eines der Wildpferde zu zähmen, fiel er vom Rücken des Pferdes und brach sich ein Bein.
Jeder hielt das für ein großes Pech. 
Nicht jedoch der Bauer, der nur sagte: „Pech? Glück? Wer weiß?"
Ein paar Wochen später marschierte die Armee ins Dorf und zog jeden tauglichen jungen Mann ein, den sie finden konnte. 
Als sie den Bauernsohn mit seinem gebrochenen Bein sahen, ließen sie ihn zurück. 
War das nun Glück? Pech? 

Wer weiß?

Anthony de Mello

Mittwoch, 1. Januar 2014

Sternenkuppel in der Kathedrale von Burgos












DIE LIEBE TRÄGT DAS BÖSE NICHT NACH

Eine Frau dachte, sie habe Gottesvisionen, und ging zum Bischof, um sich Rat zu holen. 

Der Bischof legte ihr nahe: „Sie mögen an Visionen glauben. Verstehen Sie jedoch, dass ich als Bischof der Diözese darüber entscheiden kann, ob Ihre Visionen echt oder falsch sind."
„Durchaus, Exzellenz."
„Es gehört zu meinem Verantwortungsbereich, es ist meine Pflicht. Sie werden also tun, was ich von Ihnen verlange."
„Das werde ich, Exzellenz."
„Also hören Sie gut zu: wenn Ihnen Gott das nächste Mal erscheint, so wie er Ihnen normalerweise erscheint, werden Sie einen Test machen, durch den ich erfahren werde, ob es wirklich Gott ist."
„Einverstanden, Exzellenz. Aber wie geht der Test?"
„Sagen Sie Gott: ,Bitte enthülle mir die persönlichen, die privaten Sünden des Bischofs.'
Wenn es wirklich Gott ist, der Ihnen da erscheint, wird er Ihnen meine Sünden sagen. Danach kommen Sie wieder und erzählen mir alles - aber: sonst niemandem! In Ordnung?"
„Das werde ich tun, Exzellenz."
Einen Monat später bat die Frau erneut um einen Termin beim Bischof, der sie fragte: „Und, ist Gott Ihnen noch einmal erschienen?"
„Ich glaube schon, Exzellenz."
„Und Sie stellen ihm die Frage, wie ich es verlangt habe?"
„Sicher, Exzellenz."
„Was hat Gott gesagt?"
„Gott sagte mir: ,Sag dem Bischof, dass ich alle seine Sünden vergessen habe!'"


Wie finden Sie das? Es gibt kein Buch, in dem die Sünden vermerkt werden. Und wissen Sie, Gott führt kein Sündenregister, keine Liste. 

Er sieht uns in diesem gegenwärtigen Augenblick und schenkt uns seine bedingungslose Liebe.


Anthony de Mello