Dienstag, 7. April 2015
UNPARTEIISCH
Jesus Christus sagte, er sei noch nie bei einem Fußballmatch gewesen.
Also nahmen meine Freunde und ich ihn zu einem Spiel mit.
Es war eine wilde Schlacht zwischen den protestantischen Boxern und den katholischen Kreuzfahrern.
Die Kreuzritter erzielten das erste Tor.
Jesus schrie laut Beifall und warf seinen Hut in die Luft.
Dann waren die Boxer vorne. Und Jesus spendete wild Beifall und warf seinen Hut in die Luft.
Das schien den Mann hinter uns zu verwirren.
Er klopfte Jesus auf die Schulter und fragte: „Für welche Partei brüllen Sie, guter Mann?"
„Ich", erwiderte Jesus, den mittlerweile das Spiel sichtlich aufregte, „oh, ich schreie für keine Partei. Ich bin bloß hier, um das Spiel zu genießen."
Der Frager wandte sich seinem Nachbarn zu und feixte: „Hm, ein Atheist!"
Auf dem Rückweg klärten wir Jesus über die Lage der Religionen in der heutigen Welt auf. „Fromme Leute sind ein komisches Volk, Herr", sagten wir, „sie scheinen immer zu denken, Gott sei auf ihrer Seite und gegen die Leute von der anderen Partei."
Jesus stimmte zu.
„Deswegen setze ich nie auf Religionen, ich setze auf Menschen", sagte er. „Menschen sind wichtiger als Religionen. Der Mensch ist wichtiger als der Sabbat."
„Du solltest deine Worte wägen", sagte einer von uns etwas besorgt.
„Du bist schon einmal wegen einer solchen Sache gekreuzigt worden."
„Ja - und von religiösen Leuten", sagte Jesus mit gequältem Lächeln.
Anthony de Mello
Montag, 6. April 2015
GEGENWART
Es ist typisch für die Hebräer der Bibel, Gottes Handeln in allen Dingen zu sehen.
Wir halten uns fast ausschließlich mit sekundären Ursachen auf, während die Hebräer meist auf die Erste Ursache blickten.
Sind ihre Armeen im Kampf geschlagen worden? Nein, Gott hat sie geschlagen; das Unvermögen der Generäle hat nichts damit zu tun! Wurde ihre Ernte von Heuschrecken zerstört? Gott hat sie geschickt.
Zugegeben, ihr Wirklichkeitssinn war einseitig. Sie haben anscheinend sekundäre Ursachen ganz ignoriert.
Unser moderner Wirklichkeitssinn ist auf noch extremere Weise einseitig, denn wir ignorieren anscheinend vollständig die Erste Ursache.
Sind deine Kopfschmerzen verschwunden? Die Hebräer würden gesagt haben: „Gott hat dich gesund gemacht!" Und wir: „Lass Gott aus dem Spiel. Die Aspirintablette hat dich gesund gemacht."
Uns hingegen ist ganz der Sinn für das Werk des Unendlichen in unserem Leben verlorengegangen.
Wir spüren nicht mehr, dass Gott uns gesund macht durch unsere Ärzte, dass Gott jedes Ereignis unseres Lebens formt, dass Gott jeden Menschen, dem wir begegnen, schickt, dass er uns im leichten Wind umspielt und uns bei jeder Empfindung berührt.
Er erschafft alle Laute um uns, damit wir sie hören und uns Gottes Gegenwart bewusst werden.
Sonntag, 5. April 2015
Samstag, 4. April 2015
Donnerstag, 2. April 2015
DIE EINFACHEN DINGE DES LEBENS (2)
Wenn Sie das Leben und die einfachen Sinnesfreuden wirklich genießen würden - Sie wären überrascht.
Sie würden die außergewöhnliche Disziplin eines Tieres entwickeln.
Ein Tier isst niemals zuviel, in seiner natürlichen Umgebung wird es nie zu dick.
Es wird niemals etwas essen oder trinken, das seiner Gesundheit schaden könnte:
Sie würden nie ein Tier Zigaretten rauchen sehen.
Es bewegt sich soviel, wie es braucht - beobachten Sie einmal Ihre Katze nach ihrer Mahlzeit, sehen Sie, wie sie sich ausruht und wie sie mit einem Sprung wieder in Aktion ist, sehen Sie, wie geschmeidig ihre Glieder und wie lebendig ihr Körper ist.
Das haben wir verloren.
Wir sind nur noch kopfgesteuert, haben uns in unseren Ideen und Idealen verloren,
und ständig heißt es: weiter, weiter.
Auch stehen wir in einem inneren Konflikt, den Tiere nicht haben.
Wir machen uns selbst immer wieder Vorwürfe und plagen uns mit Schuldgefühlen.
Sie werden wissen, wovon ich spreche.
Anthony de Mello
Mittwoch, 1. April 2015
DIE EINFACHEN DINGE DES LEBENS (1)
Leider haben sich die Menschen irgendwie verrannt,
sie werden immer abhängiger, da sie die schönen Dinge des Lebens nicht zu genießen verstehen.
In den siebziger Jahren appellierte Präsident Carter an die Amerikaner, den Gürtel enger zu schnallen.
Dabei dachte ich mir: Er sollte nicht an sie appellieren, mehr zu sparen, sondern sie daran erinnern, das, was sie haben, mehr zu genießen.
Ich glaube, die meisten Menschen in reichen Ländern haben das verlernt. Sie brauchen immer teurere technische Spielereien, sie können sich nicht an den einfachen Dingen des Lebens erfreuen.
Wohin man geht, ob im Supermarkt oder in Wartesälen, ertönt die schönste Musik, aber ich habe noch keinen getroffen, der ihr je gelauscht hätte - keine Zeit, keine Zeit.
Sie sind schuldig, sie haben keine Zeit, das Leben zu genießen.
Sie sind überlastet: weiter, weiter.
Anthony de Mello
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