Sonntag, 7. Juni 2015

 
Ich werde ganz Ohr
wenn jemand wirklich mich meint.
 

Mancher berauscht sich nur
am Echo der eigenen Stimme,
aber aufmerksam werde ich,
wenn jemand auch Antwort aus ist.
 

Dann wird meine Hörbereitschaft geweckt.
 

Ich kann auch den Sprechenden ermutigen,
Worte zu finden, die ihr Ziel erreichen.



Otto und Felicitas Betz

Samstag, 6. Juni 2015




Erfahrungen und Fehler sind normal und heilsam;
gäbe es keine Erfahrungen und Fehler, gäbe es keine Risiken.
Es gäbe nur die berechnete Konformität.
Doch das ist weder Leben noch der Sinn der Schöpfung,
noch die Erfahrung von Liebe
und auch nicht die Frohe Botschaft.



Anthony de Mello

Freitag, 5. Juni 2015




Der Indianer Joseph Bruchac sagt einmal:

»Unsere Urgroßeltern sprachen niemals über das Beten, 

aber jeder Tag ihres Lebens war ein Gebet. 
Sie wussten, dass alles auf der Welt ein Geschenk des Schöpfers war, auch jeder Schluck Wasser, den sie tranken, 
und die Luft, die sie atmeten.
Diese Geschenke waren von solchem Wert, 

dass niemand sie zurückerstatten konnte.

Donnerstag, 4. Juni 2015

 

Umkehr oder Erwachen

Aufstehen, Straßenbahn, vier Stunden Büro oder Fabrik,
Essen, Straßenbahn, vier Stunden Arbeit,
Essen, Schlafen...
Montags, Dienstags, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag, immer derselbe Rythmus...
 

Das ist sehr lange ein bequemer Weg.
 

Eines Tages aber steht das "Warum" da,
und mit diesem Überdruß,
in den sich das Erstaunen mischt,
fängt alles an.
 

"Fängt an" - das ist wichtig.
 

Der Überdruß ist das Ende des mechanischen Lebens
gleichzeitig aber auch der Anfang
der Bewußtseinsbildung.
 

Er weckt das Bewußt-sein
und bereitet den nächsten Schritt vor.
 

Der nächste Schritt ist die unbewußte Umkehr
in die Kette alltäglicher Gebärden
oder
das endgültige Erwachen.

 

                                                A. Camus

Mittwoch, 3. Juni 2015


 

Wir nennen unsere Welt "Schöpfung",
weil sie lebendig ist.


Lebendig ist sie, weil Gott das
"Geistige" und das "Materielle" in ihr durchwirkt und verbindet. 


Wenn wir von "Schöpfung" sprechen,
dann kann es in dieser Welt der massiven Dinge nichts geben, 

das nicht
von IHM durchwirkt wäre 

und das nicht zu einem Instrument seines Willens werden könnte.
 

Nichts gehorcht seinen "eigenen Grenzen".
In diesem Zusammenhang der Elemente und des Willen Gottes 

finden wir Menschen uns, furchtsam und gefährdet,
bis wir mitten aus den Elementen,
die leise Stimme hören,
die sagt: Ich bin's! Angst? Ich bin's!
                                  Tod? Ich bin's!
                               Nacht? Ich bin's.
 

Bis wir, 
geborgen in diesem leisen Wort,
es wagen,
das nächtliche Wasser zu befahren oder 

vielleicht selbst einmal den Fuß auf das Wasser zu setzen in dem Glauben,
daß es tragen wird.

                                                 J. Zink

Dienstag, 2. Juni 2015




                Diese »Fertigen«, diese Sicheren, 
                die zwischen uns einhergehen, 
                angetan mit der schimmernden Rüstung 
                ihres Erfolgs und ihrer Verantwortung. 

                Wie kannst du dich von                ihnen beirren lassen? 

                Lass sie ihren Triumph leben - 

                auf jener Ebene, wo er zählt!

                Dag Hammarskjöld
                UN-Generalsekretär (1953-61)

Montag, 1. Juni 2015





                  Käfig ohne Gitter

                            Ein Bär ging in seinem sechs Meter langen Käfig hin und her.
                         Als die Gitterstäbe nach fünf Jahren entfernt wurden,
                         ging der Bär weiterhin diese sechs Meter hin und her,
                         als ob der Käfig noch da wäre. 


                                                                                                             Für ihn war er da!

Anthony de Mello