Mittwoch, 5. Februar 2020




Gebet, ganz präsent zu sein (2)

Guter Gott, wir glauben, daß Du uns nah bist.
Deine Anwesenheit schenkt uns Hoffnung. 
Wir danken Dir für jeden Tag unseres Lebens. 
Wir danken Dir, daß Du uns immer neu die Möglichkeit schenkst 
zu verstehen, zu vergeben, zu vertrauen und zu lieben. 
Wir danken Dir, daß wir jetzt leben und
daß unsere Probleme im Maß unserer Seele bleiben.
Wir bitten Dich: lehre und führe uns,
füge in unserm Geist die Gedanken zusammen, die Du uns denken,
und in unserem Herzen die Gefühle, die Du uns empfinden lassen möchtest. 
Baue uns wieder auf.
Setze uns richtig zusammen;
denn wir selbst wissen nicht, wie wir das anstellen sollen.
Wir vertrauen darauf, daß Du dieses Gebet hörst
und Dich mehr als wir selbst um die Antwort kümmerst. 
Wir beten darum nicht allein,
sondern mit dem ganzen Leib Christi in Jesu Namen.

Dienstag, 4. Februar 2020




Gebet, ganz präsent zu sein (1)

Hilf uns, ganz im jetzt gegenwärtig zu sein.
Das ist das Einzige, was wir haben,
und immer darin sprichst Du, Gott, zu uns.
Dieses Jetzt nimmt alles auf, verwirft nichts
und kann daher auch Dich, Gott, aufnehmen.

Hilf uns, an dem Ort ganz präsent zu sein,
vor dem wir am meisten Angst habe,
weil er sich immer so leer und so langweilig und so ungenügend anfühlt.

Hilf uns, ein wenig Raum zu finden,
den wir nicht sofort wieder
mit unseren eigenen Einfallen und Vorstellungen ausfüllen. 

Hilf uns, jenen Raum zu finden,
in dem Du als der Gott der Liebe Dich uns Hungrigen und Leeren zeigen kannst.

Hilf uns, nicht uns selbst im Weg zu stehen,
damit Platz für Dich wird.

Montag, 3. Februar 2020




Aus Dank wächst Freude
Es gibt nichts Selbstverständlicheres als
die Luft, die wir atmen,
das Brot, das wir essen und
das Leben, das wir leben.
Wir mögen uns Gedanken machen über den Sinn des Lebens, 

wir müssen uns sicher Sorgen machen über die Zukunft der Welternährung;
aber Luft, Leben und Brot sind uns zur Zeit sicher, sicherer vielleicht als je zuvor.


Gerade deshalb aber sollten wir Gott dafür danken.
Wir sollten sogar dafür danken, daß wir uns Sorgen machen können, daß wir über den Sinn nachdenken können. 

Denn diese Dinge zeigen uns nicht nur, daß wir leben, sondern daß uns das Leben auf dieser Welt Freude macht.
Hätten wir keine Freude am Leben, dann wären uns die Gedanken über den Sinn, die Sorge
über die Zukunft und der Kummer über die Gegenwart einigermaßen gleichgültig. 

Wer für die vermeintlichen Selbstverständlichkeiten dankt, der wird auf ganz eigentümliche Weise dafür belohnt:
er wird sich auf einmal der ungeheuren Fülle von Gaben bewußt, die ihm täglich ohne Verdienst und Würdigung geschenkt werden.
Wem nichts zu banal ist, sich bei Gott dafür zu bedanken, für den ist auf einmal auch nichts zu gering, sich zu freuen.
Unser Dank öffnet uns die Türen zum Reichtum der gegenwärtigen Gaben Gottes.
Danken wir also einmal für das Selbstverständliche, damit auch die Freude uns selbstverständlich werde.


K. Schomerus