Mittwoch, 7. Oktober 2020




Wenn durch einen Menschen
ein wenig mehr Güte und Liebe.
ein wenig mehr Licht und Wahrheit
in der Welt war,
hat sein Leben einen Sinn gehabt.

Alfred Delp

Dienstag, 6. Oktober 2020

Brücke





DIE BESTEN DINGE

 Die besten Dinge des Lebens sind uns geschenkt:
 Sehvermögen, Gesundheit, Liebe, Freiheit und das Leben selbst.
 Schade nur, dass wir uns an ihnen nicht recht erfreuen.

Wir sind zu sehr von dem Gedanken belastet,
dass wir nicht genug von sehr nebensächlichen Dingen besitzen:
wie Geld, gute Kleider und Ruhm.

Als ich einmal zurück in meine Heimat flog, hatte das Flugzeug Verspätung,
und ich war verärgert.
Als es dann den Flughafen erreicht hatte, kreiste es fast eine halbe Stunde wegen
„technischer Schwierigkeiten", wie es diskret hieß, über dem Flughafen,
was uns noch mehr verspätete.
Die halbe Stunde war voller Spannung und Sorgen.
Schließlich landeten wir erleichtert.
Verflogen war mein Ärger über die Verspätung.
Alle waren sehr froh, sicher auf der Erde zu sein.
Die Verspätung war nun eine dumme Kleinigkeit.

Doch erst die Möglichkeit eines schweren Unfalls führte uns das vor Augen.

Ich las einmal von einem Mann, den die Nationalsozialisten gefangen hielten:
der schrieb in einem Brief an seine Familie über seine große Freude,
dass er von einer fensterlosen Zelle in eine andere verlegt worden war,
die hoch oben ein Luftloch hatte, durch das er ein Stück blauen Himmel bei Tag und nachts ein paar Sterne erkennen konnte.

Das betrachtete er als ein großes Glück.

Nachdem ich diesen Brief gelesen hatte,
schaute ich aus meinem Fenster auf die ganze Weite des Himmels.
Ich war tausendmal reicher als dieser Gefangene,
und doch gab mir mein Reichtum nicht einmal einen Bruchteil der Freude,
die jener von seinem Luftloch empfing. 




Anthony de Mello

Montag, 5. Oktober 2020





Himmel als Teilhabe zu Gott

Das Ziel, die letzte Vollendung,
ist die Teilhabe an Gott.
Gottes unendliche Fülle kann aber
durch kein Geschöpf
ganz aufgenommen, ausgeschöpft werden.
Unser endliches Wesen kann nie
mit Gottes Sein ganzheitlich zusammenfallen.
Somit ist jede Erfüllung
zugleich der Beginn
einer noch größeren Erfüllung.
Himmel ist wesenhaft
als grenzenlose Dynamik zu verstehn.
Die Erfüllung selbst wird uns, unser Wesen, derart erweitern,
daß wir im nächsten Moment vom Unendlichen noch mehr erfüllt werden können.
Wir sind also ewige Gottsucher.
Der Kirchenvater Augustinus sagt trefffend: Wir suchen Gott,
um ihn zu finden,
während unseres irdischen Lebens.
Wir suchen Gott,
nachdem wir ihn fanden,
in der ewigen Seligkeit, im Himmel.
Damit wir ihn suchen,
um in zu finden,
ist er verborgen.
Damit wir ihn suchen,
nachdem wir ihn fanden,
ist er unermeßlich.
Unsere Ewigkeit wird ein
immerwährendes Hineinschreiten in Gott sein.


Ladislaus Boros

Sonntag, 4. Oktober 2020

Vittoria Gasteiz




Gott liebt uns,
das sind wir geneigt zu glauben,

wenn es uns gut geht.

Aber wir sagen

mit dem Bekenntnis zum dreifaltigen Gott,

daß die Gemeinschaft mit ihm

auch dann gegeben ist,

wenn es uns schlecht geht.



Gott liebt uns nicht

um unserer Leistung willen,

sondern

weil er selbst, Gott,

es will und möglich macht.

Ihm verdanken wir die Gemeinschaft mit ihm. Würde Gott mit seiner Liebe sich

von unserer menschlichen Liebenswürdigkeit abhängig machen,

dann wären wir wahrscheinlich arm dran.

Eben daran erinnern wir uns immer wieder, indem wir sagen:

"Im Namen des Vaters und des Sohnes

und des Heiligen Geistes..."

und in diesem Vertrauen alles beginnen

und beenden, was wir tun.

V.u.

Samstag, 3. Oktober 2020



Der Unwissende sucht,
wenn er ein bescheidenes Herz hat,
noch die Quelle.

Der Dumme behauptet,
sie zu kennen,
aber nicht zu brauchen.


Peter Horton

Freitag, 2. Oktober 2020




Also, die Dinge sind tot. (3)

Aber zur Zeit dieser Meldung werden nicht mehr viele verstehen,
was gemeint ist.
Nur sehr alte Leute werden sich erinnern,
in ihren jungen Tagen davon gehört oder gelesen zu haben:
irgendwann einmal, vorZeiten, lustige Vorstellung,
sollten die Dinge, 
der Mond und der Bach und die Tanne,
die Stadt und die Bucht und das Kornfeld 
gelebt haben.


Erhart Kästner

Donnerstag, 1. Oktober 2020




Also, die Dinge sind tot. (2)

Zwar gibt es noch viele,
die den Tod der Dinge nicht wahrhaben wollen.

Sie ertragen die Nachricht nicht.
Sie gleichen den Müttern,
die ein Jahrzehnt die Nachricht verweigerten,
ihre Söhne seien auf den Schneefeldern zugeweht worden und sagten
Ich weiß es, er lebt noch.

Eines Tages aber werden es alle einsehen und sich gestehen müssen,

daß die Dinge tot sind.

Dann wird in den Zeitungen stehen:
Wie jetzt erst bekannt wird, sind die Dinge verstorben.

Wir werden darauf noch zurückkommen.  

Erhart Kästner