Sonntag, 11. Oktober 2020

o Gott, wenn du unsere Schöpfung heimbringst - Saint-Exupery

Wismar - GeorgenKirche


O Gott,
wenn du unsere Schöpfung heimbringst,
dann öffne das große Tor
für die geschwätzige Rasse der Menschen.


Dann wird die Zeit vollendet sein,
und unsere Fragen
werden ihren Sinn verlieren,
wir werden von ihnen geheilt sein
wie von einer Krankheit.
Denn der Fortschritt des Menschen
besteht in der Entdeckung,
dass seinen Fragen kein Sinn innewohnt.

Ich habe die Weisen dieser Erde befragt.
Sie haben auf die Fragen des vergangenen
fahr es keine Antwort gefunden.
Die aber zu dir heimkehrten,
lächeln heute über sich selbst,
denn als sie die Wahrheit erkannten,
waren alle ihre Fragen
wie ausgelöscht.

Wenn er dich aufnimmt, Mensch,
so heilt er dich.
Er nimmt deine Fragen
mit seiner Hand von dir wie ein Fieber.


Gott,
wenn du deine Schöpfung eines Tages
heimbringst, so öffne das doppelte Tor
und lass uns eintreten in dein Haus,
wo wir nicht mehr nach Antworten suchen,
weil wir glücklich sind.
Denn die Seligkeit ist das Ende der Fragen.
Und unser Friede wird sein,
dich zu verehren.


Antoine de Saint-Exupéry

Samstag, 10. Oktober 2020

 

Wismar - MarienKirche


                      Es ist der Widerstand,
                der uns ins Leben ruft,
                der uns herausfordert
                und an dem wir uns bilden.



                Ulrich Schaffer


Donnerstag, 8. Oktober 2020

Münster / Westfalen

 




 Menschen
 und menschliche Dinge
 muß man kennen,
 um sie zu lieben.

 Gott
 und göttliche Dinge
 muß man lieben,
 um sie zu kennen.

  Blaise Pascal

Mittwoch, 7. Oktober 2020




Wenn durch einen Menschen
ein wenig mehr Güte und Liebe.
ein wenig mehr Licht und Wahrheit
in der Welt war,
hat sein Leben einen Sinn gehabt.

Alfred Delp

Dienstag, 6. Oktober 2020

Brücke





DIE BESTEN DINGE

 Die besten Dinge des Lebens sind uns geschenkt:
 Sehvermögen, Gesundheit, Liebe, Freiheit und das Leben selbst.
 Schade nur, dass wir uns an ihnen nicht recht erfreuen.

Wir sind zu sehr von dem Gedanken belastet,
dass wir nicht genug von sehr nebensächlichen Dingen besitzen:
wie Geld, gute Kleider und Ruhm.

Als ich einmal zurück in meine Heimat flog, hatte das Flugzeug Verspätung,
und ich war verärgert.
Als es dann den Flughafen erreicht hatte, kreiste es fast eine halbe Stunde wegen
„technischer Schwierigkeiten", wie es diskret hieß, über dem Flughafen,
was uns noch mehr verspätete.
Die halbe Stunde war voller Spannung und Sorgen.
Schließlich landeten wir erleichtert.
Verflogen war mein Ärger über die Verspätung.
Alle waren sehr froh, sicher auf der Erde zu sein.
Die Verspätung war nun eine dumme Kleinigkeit.

Doch erst die Möglichkeit eines schweren Unfalls führte uns das vor Augen.

Ich las einmal von einem Mann, den die Nationalsozialisten gefangen hielten:
der schrieb in einem Brief an seine Familie über seine große Freude,
dass er von einer fensterlosen Zelle in eine andere verlegt worden war,
die hoch oben ein Luftloch hatte, durch das er ein Stück blauen Himmel bei Tag und nachts ein paar Sterne erkennen konnte.

Das betrachtete er als ein großes Glück.

Nachdem ich diesen Brief gelesen hatte,
schaute ich aus meinem Fenster auf die ganze Weite des Himmels.
Ich war tausendmal reicher als dieser Gefangene,
und doch gab mir mein Reichtum nicht einmal einen Bruchteil der Freude,
die jener von seinem Luftloch empfing. 




Anthony de Mello

Montag, 5. Oktober 2020





Himmel als Teilhabe zu Gott

Das Ziel, die letzte Vollendung,
ist die Teilhabe an Gott.
Gottes unendliche Fülle kann aber
durch kein Geschöpf
ganz aufgenommen, ausgeschöpft werden.
Unser endliches Wesen kann nie
mit Gottes Sein ganzheitlich zusammenfallen.
Somit ist jede Erfüllung
zugleich der Beginn
einer noch größeren Erfüllung.
Himmel ist wesenhaft
als grenzenlose Dynamik zu verstehn.
Die Erfüllung selbst wird uns, unser Wesen, derart erweitern,
daß wir im nächsten Moment vom Unendlichen noch mehr erfüllt werden können.
Wir sind also ewige Gottsucher.
Der Kirchenvater Augustinus sagt trefffend: Wir suchen Gott,
um ihn zu finden,
während unseres irdischen Lebens.
Wir suchen Gott,
nachdem wir ihn fanden,
in der ewigen Seligkeit, im Himmel.
Damit wir ihn suchen,
um in zu finden,
ist er verborgen.
Damit wir ihn suchen,
nachdem wir ihn fanden,
ist er unermeßlich.
Unsere Ewigkeit wird ein
immerwährendes Hineinschreiten in Gott sein.


Ladislaus Boros