Mittwoch, 7. Juli 2021

Sonnengesang (2) - Franz von Assisi

 



Sonnengesang (2)  


Sei gepriesen, mein Herr, durch unsere Schwester, das Wasser:
Nützlich ist es sehr, voll Demut, köstlich und keusch.


Sei gepriesen, mein Herr, durch unsern Bruder, das Feuer,
durch welchen du die Nächte erleuchtest.
Schön ist es, heiter, sehr stark und gewaltig.


Sei gepriesen, mein Herr, durch unsere Schwester, die Mutter Erde,
welche uns nährt und erhält
und viele Früchte gebiert und bunte Blumen und Kräuter.

Sei gepriesen, mein Herr, durch die, welche verzeihen aus Liebe zu dır,
die ausharren in Mühsal und Leid.

Selig die, welche dulden in Frieden,
denn du, Allerhöchster, wirst sie krönen.

Sei gepriesen, mein Herr, durch unsern Bruder, den leiblichen Tod:
Keiner der Lebenden kann ihm entrinnen.
Weh denen, die sterben in tödlicher Sünde,
und
selig die, welche ruhen in deinem heiligsten Willen,
denn der zeitliche Tod kann ihnen nicht schaden.

Preiset und lobet meinen Herrn und saget ihm Dank:
Und dienet ihm in großer Demut.


Franz von Assisi


Dienstag, 6. Juli 2021

Sonnengesang (1)- Franz von Assisi

 



SONNENGESANG (1)

Höchster, mächtiger, gütiger Herr,
dein ist der Preis, die Herrlichkeit, die Ehre und jeglicher Segen:
Dir allein gebühren sie,
und der Menschen keiner ist würdig, dich zu nennen.

Sei gepriesen, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
vornehmlich mit unserer Schwester, der Sonne:
Sie wirket den Tag und schenkt uns durch ihn das Licht.
Schön ist sie und strahlend in großem Glanze
und deines Wesens, Allerhöchster, ein Gleichnis.

Sei gepriesen, mein Herr, durch unseren Bruder,
den Mond, und die Sterne:
Du hast sie am Himmel gebildet,
leuchtend, kostbar und schön.

Sei gepriesen, mein Herr, durch unsern Bruder, den Wind,
durch die Luft und die Wolken,
durch die heitern und düsteren Tage,
durch welche du deinen Geschöpfen Dauer verleihst.


Franz von Assisi

Montag, 5. Juli 2021

Kampf zwischen uns und den Dingen - Teilhard de Chardin

 



Es herrscht das ganze Leben lang
eine Art Kampf zwischen uns und den Dingen!
Entweder wir gehen in ihnen auf,
oder aber wir absorbieren und assimilieren sie.
Das Feld gehört dem Stärkeren,
das heißt dem Ungeteilteren,
das heißt schließlich dem inniger mit Gott vereinten.


 Teilhard de Chardin


Sonntag, 4. Juli 2021

Gott der Liebe - Rose Ausländer

 



          GÄBE ES

 

             Gäbe es dich
             Gott der Liebe
             wir lebten noch heute

             im Eden
             Volk an Volk
             du an du

             Gäb es dich nicht
             o Liebesgott
             wir wären nicht

             nichts wäre

 

          ROSE AUSLÄNDER


Samstag, 3. Juli 2021

Leben ist ein Weg - Anselm Grün Regensburg - Steinerne Brücke

 


                 Mein Leben ist ein Weg.
            Aber nicht jeder Weg führt zum Ziel.
            Ich brauch Wegweiser,
            damit ich mir Kraft erspare.
            Denn sonst muß ich jeden Weg zu Ende gehen,
            um zu erkennen, wohin er führt.
            Der Wegweiser ist also energieschonend.
            Und er schütz mich vor Irrwegen,
            die nicht nur nicht ans Ziel führen,
            sondern die gefährlich werden können.


            Anselm Grün

Freitag, 2. Juli 2021

"etwas" mit Gott anzufangen

 




Vielleicht ist es für uns heute deshalb so schwer "etwas" mit Gott anzufangen.
Wir meinen, wir müßten und könnten alles begreifen

 - vielleicht nicht jetzt und heute aber ganz bestimmt morgen ...
 

Gott kann man nicht be-greifen. 

Wir glaubten
der Technik und Wissenschaft sei alles möglich. 

Man müsse ihr nur Zeit dazu geben. 

Diese blinde Wissenschaftsgläubigkeit bröckelt ab. Zurecht. 
Doch darf nicht der Fehler gemacht werden,
nun alles was mit Technik zu tun hat ab- und einzureißen.
 

Dieses Abbröckeln führt vielleicht andererseits dazu, 
daß wir "moderne Menschen" uns wieder auf die Suche nach Gott machen.
 

Wir erkennen, daß wir nicht alles machen können, daß alles machbar ist, daß es auch noch "mehr als alles" gibt.
 

Ich glaube, daß wir dieses nur mit ihm, bei ihm, durch ihn finden können. 

Bei der Erkenntnis,
daß wir nicht alles machen können, 

dürfen wir jedoch nicht in den Fehler verfallen,
in Gott nur einen Lückenbüßer für unsere Mängel und Fehler zu suchen. 


Ich muß immer wieder neu erkennen, daß Gott sich mir zeigt, 
daß ich ihn aber letztlich nie finden werde, sondern daß er sich mir immer neu freiwillig zeigen wird.

Donnerstag, 1. Juli 2021

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte - Antoine de Saint-Exupery

 



Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.
Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung.
Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.
Laß mich erkennen, daß Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft.
Hilf mır, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müßte im Leben alles glattgehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, daß Schwierigkeiten, Niederlagen, Mißerfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müßte im Leben alles glattgehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, daß Schwierigkeiten, Niederlagen, Mißerfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.
Erinnere mich daran, daß das Herz oft gegen den Verstand streikt.
Schick mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
Gib, daß ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die „unten“ sind.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!

ANTOINE DE SAINT-EXUPERY