Samstag, 30. Juni 2012


Und manchmal
setzen wir uns
an den Rand der Zeit
und gönnen uns die kleine Pause
für den großen Dank.

© Vreni Merz

Freitag, 29. Juni 2012

NICHTS

soll dich ängstigen

ALLES vergeht

Gott allein bleibt derselbe.

Geduld erreicht alles.

Wer Gott besitzt,
dem kann nichts fehlen.

Gott nur genügt

SOLO DIOS BASTA

Theresia von Avila

Donnerstag, 28. Juni 2012

Miß nie
des Berges Höhe,
ehe du den Gipfel
erreicht hast.

Dort
wirst du sehen,
wie niedrig
er ist.

dag hammarskjöld

Mittwoch, 27. Juni 2012


 
Einige haben mich gefragt, was ich damit gemeint habe, als ich sagte: 
„Seien Sie ganz Sie selbst, das ist in Ordnung, 
aber ich werde mich schützen: ich werde ganz ich selbst sein."  

Mit anderen Worten: ich werde dir nicht gestatten, mich zu manipulieren. 
Ich lebe mein Leben, gehe meinen eigenen Weg;
ich werde mir immer erlauben, meine eigenen Gedanken zu haben, meine eigenen Neigungen und meinen eigenen Geschmack. Ich werde dir auch nein sagen können.
Wenn ich nicht mit dir zusammen sein möchte, dann nicht wegen irgendwelcher negativen Gefühle, die du in mir weckst. 
Das kannst du einfach nicht mehr, du hast keine Macht mehr über mich.
Es ist wunderbar nein sagen zu können. Es gehört mit zum Wachwerden. 
Es gehört zum Wachwerden, sein Leben so zu leben, wie man es für richtig hält.

Verstehen Sie mich recht: das hat nichts mit Egoismus zu tun. 
Egoistisch wäre es zu verlangen, dass jemand sein Leben so lebt, 
wie Sie es für richtig halten. Das ist egoistisch. 
Es ist nicht egoistisch, sein Leben so zu leben, 
wie man es selbst für richtig hält. 
Der Egoismus liegt in der Forderung, dass andere Leute so leben sollen, 
wie es Ihrem Geschmack, Ihrem Stolz, Ihrem Nutzen oder Ihrem Vergnügen entspricht. 
Das ist wirklich egoistisch. 
 
Deshalb schütze ich mich. 
Ich fühle mich nicht dazu verpflichtet, mit dir zusammen zu sein, 
ebenso wenig fühle ich mich dazu verpflichtet, ja zu sagen. 
Wenn ich deine Gesellschaft mag, genieße ich sie, ohne mich daran zu klammern. 
Aber ich meide dich nicht länger wegen irgendwelcher negativen Gefühle, die du in mir weckst.

Diese Macht hast du nicht mehr.     
                            

Anthony de Mello

Dienstag, 26. Juni 2012


Ich bekenne, dass auch zu mir das Wort gekommen ist.
Obwohl es öfter bei mir eingekehrt ist,
habe ich einige Male sein Eintreten gar nicht bemerkt.
Ich spürte, dass es da war.
Zuweilen konnte ich auch sein Kommen vorausspüren,
aber unmittelbar spüren konnte ich niemals
sein Kommen, auch nicht sein Weggehen.
Auf welchem Weg also ist es gekommen!
Oder ist es vielleicht gar nicht hereingekommen,
weil es nicht von draußen kommt,
denn es ist ja kein Ding außerhalb meiner selbst.
Aber es kann auch nicht aus meinem Innern
gekommen sein, weil es gut ist und weil ich weiß,
dass in mir nichts Gutes wohnt.
Ich bin in die höchsten Höhen meines Wesens
hinaufgestiegen -
und das Wort war oberhalb von allem.
Ich bin in die tiefsten Keller meines Wesens
hinabgestiegen
und es fand sich unterhalb von allem.
Wenn ich nach draußen schaute,
so erfuhr ich, dass es weiter außen war als alles,
was außerhalb von mir ist.
Wenn ich in mein Inneres schaute,
dass es weiter innen war als alles, was in mir ist.
Und ich erkannte, wie wahr es ist,
was ich gelesen habe:
»In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. «

BERNHARD VON CLAIRVAUX

Montag, 25. Juni 2012




Betrachten Sie es einmal so: Sie sehen die Menschen und Dinge nicht so, wie sie sind, sondern so, wie Sie sind. 

 
Wenn Sie sie so sehen wollen wie sie sind, müssen Sie Ihr Augenmerk auf die Dinge richten, an denen Sie hängen und auf die Ängste, die wegen dieser Abhängigkeiten in Ihnen entstehen. 

Schauen Sie auf Ihr Leben, so werden Sie feststellen, dass es die Abhängigkeiten und Ängste sind, die darüber entscheiden, was Sie wahrnehmen und was Sie verdrängen. 
Wovon auch immer Sie Notiz nehmen, es beansprucht Ihre Aufmerksamkeit. Und da Sie beim Sehen auswählen, besitzen Sie ein trügerisches Bild der Menschen und Dinge um Sie herum. 

Je länger Sie mit diesem Zerrbild leben, desto mehr sind Sie davon überzeugt, dass es das einzige wahre Bild der Welt ist, denn Ihre Abhängigkeiten und Ängste verarbeiten auch die neu eingehenden Informationen weiterhin so, dass sie das vorhandene Bild nur bestätigen. 
Auf diese Weise bilden sich Ihre Überzeugungen: feste, unveränderliche Sichtweisen einer Wirklichkeit, die aber weder fest noch unveränderlich ist, sondern immer in Bewegung und im Wandel. 
Dadurch ist es nicht mehr die wirkliche Welt, auf die Sie eingehen und die Sie lieben, sondern eine Welt, die in Ihrem Kopf entstanden ist. 
Nur wenn Sie von Ihren starren Überzeugungen ablassen, Ihre Ängste und die Abhängigkeiten aufgeben, die diese Ängste erst hervorrufen, werden Sie von der Empfindungsarmut befreit sein, die Sie so taub und blind sich selbst und der Welt gegenüber macht.

Anthony de Mello

Sonntag, 24. Juni 2012


Lebendig sein heißt, man selbst zu sein. 
In dem Maße, wie du selbst bist, lebst du. 

Wir könnten fragen: „Bin ich denn nicht ich selbst? Wer wäre ich, wenn ich nicht ich selbst wäre?" 
Es ist gut möglich, dass du nicht selbst bist, sondern eine Marionette. 

Einmal angenommen, du hättest einen Hund, dem wir einen elektronischen Empfänger ins Gehirn einsetzen und dann auf die andere Seite der Welt schicken, nach China zum Beispiel. 
Dorthin senden wir ihm dann Befehle. 
Zum Beispiel „Steh!" und der Hund steht auf. „Sitz!" und der Hund setzt sich. „Platz!" und der Hund legt sich hin. Alle würden sich wundern: „Was ist nur mit diesem Hund los?" 

Du weißt, was los ist: Er funktioniert per Fernsteuerung. 

Dieses Bild passt gut auf Millionen von Menschen.

Anthony de Mello