Freitag, 1. Dezember 2017





Unser Glück gründet nie auf etwas Bestimmtem.
Wahres Glück hat keine Ursache.
Wenn Sie jemand glücklich macht, oder Ihr Beruf Sie glücklich macht, geht es dabei nicht wirklich um Glück,
sondern um die Erfüllung eines Wunsches:
Ich möchte irgendetwas, nehme einen Anlauf, schaffe es,
bin begeistert, mache weiter bis zum Schluss, fühle mich belohnt, es macht mir Spaß, schließlich werde ich dessen müde.
Wenn ich es nicht schaffe, werde ich unruhig.
Das ist kein Glück! Das sind Gefühle.


Anthony de Mello

Donnerstag, 30. November 2017

Mittwoch, 29. November 2017



Was gut ist, wissen wir, 
es steht in den Geboten. 

Aber Gott ist nicht nur in den Geboten, 
sie sind nur der kleinste Teil von ihm. 

Du kannst bei den Geboten stehen 
und kannst weit von Gott weg sein. 

Auch wenn alle einer Meinung sind, 

können alle Unrecht haben.


Bertrand Russell

Dienstag, 28. November 2017

 

Ein gesundes inneres Leben

In einer atheistischen Umwelt wird das «innere Leben» immerfort auf die Dinge verwiesen, die geglaubt und nicht bloß vorgestellt werden müssen; Dinge, denen wir uns nur anzupassen und nicht das Geringste beizufügen haben.
Es wird ständig angewiesen, die Praxis dessen zu sein, was das übernatürliche Leben Geheimstes in uns hat - kein intellektualistisch überfrachtetes geistliches Leben; es hat ins Lot gebracht zu werden in Bezug auf die Wirklichkeit Gottes.
Es bleibt für uns innerlich, hört aber auf, Innenschau zu sein.
Autopsien können beim Studium der Medizin behilflich sein; zu leben lehren sie nicht. Wir begreifen jetzt, dass der Wille, zuerst und vor allem ein inneres Leben zu führen, dasselbe wäre, wie wenn einer nach einer anatomischen Tafel leben wollte: etwa des von den übrigen Lebensfunktionen isolierten Atmungssystems, des isolierten Kreislaufs.
Wir entdecken, dass das innere Leben der bloße, aber notwendige Innenaspekt eines Gesamtlebens ist, seiner Ökonomie, seiner Dynamik, seiner Wirksamkeit.
Weil die Lebensbedingungen unseres Nächsten die Verkündigung für uns zu einer fraglosen Notwendigkeit machen, gibt es keine Möglichkeit mehr, das Apostolat zu verdächtigen, in ihm die mögliche Wucherung eines zum Selbstzweck erhobenen Innenlebens zu sehen.
Die beiden Gebote: «Du sollst den Herrn deinen Gott lieben» und «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst», klemmen uns zwischen zwei Imperative, die nicht unvereinbar sein können, da sie doch das Grundgesetz unseres Lebens bilden; sie klemmen uns in ein unerlässliches Tun, in eine Leistung, von der nichts uns entschuldigen kann.
Sie klemmen uns in den Akt der Verkündigung, in eine Leistung, an der nichts unser eigen ist, und doch alles durch uns getan werden muss beim Einsatz für das Evangelium.
Von hier aus erhellt sich für uns der Sinn des «inneren Lebens»: wirklich als der Kern eines Lebens, nicht bloß seiner Tätigkeiten, seiner Bewegung, sondern tiefer: als Kern eines zur vollen Reife gelangten Lebens, das sein Werk vollbringt, seine Frucht zeitigt.
So sind die Forderungen des Glaubens endlich versammelt, und sie sammeln uns. Sie spalten uns nicht länger.

Madeleine Delbrel

Montag, 27. November 2017



Ich muß Geduld haben und nicht Vernunft.
Ich muß die Wurzeln tiefer treiben und nicht an den Ästen rütteln.


H. Hesse

Sonntag, 26. November 2017



            Nicht das, was wir haben, sondern was wir verkosten,  
                macht uns glücklich.  
                Man kann das Leben nur verkosten, wenn man nicht fürchtet,  
                etwas zu verlieren.  
                Man wird frei, wenn man sich schließlich bewusst macht,  
                dass einem nicht genommen werden kann, was man weiß,  
                weder von anderen noch von sich selbst.


                Anthony de Mello

Samstag, 25. November 2017

 


Folgen einer Wahl

Halten wir diese Pflicht für eine solche, so wissen wir doch nicht immer, was sie von uns verlangt: denn gestern noch war sie uns unbekannt. Also müssen wir von Grund auf neu lernen, worum es sich für uns handelt. Da es christliche Verkündigung in christianisierter Umwelt nicht gab, blieb sie unbekannt, aber auch unverbogen, und wir können ihre Grundlagen und Modalitäten in ihrer ganzen Echtheit und Schlichtheit neu entdecken.
Rasch werden wir sie dann von dem unterscheiden, was wir «Apostolat treiben» nannten, von all diesen Apostolaten, die als fakultative Praktiken der Vervollkommnung erschienen, als eine Art tugendhafter Ergänzung des christlichen Lebens, so unterschieden von ihm, dass sie davon auch abtrennbar schien.
Christliche Verkündigung hingegen wird uns gezeigt als normale Reaktion unseres Organismus auf die Entchristlichung; als Gebrauch einer Lebensfunktion, als Erledigung eines Auftrags, für den wir konstitutiv ausgerüstet sind.
Christliche Verkündigung ist kein Zeitvertreib. Sie ist Frucht eines LEBENS, normale Auswirkung eines normalen Lebens. Unser ganzes Sein ist dafür eingefordert, wie es den ganzen Baum braucht, um eine Blüte zu treiben.
Die Verkündigung des Evangeliums ist die spezifisch christliche Aufgabe in atheistischer Umwelt, somit wird der Zustand dieser Umwelt die praktischen Voraussetzungen für diese Aufgabe enthalten, die normalen, deshalb auch für uns günstigen Voraussetzungen dafür.


Madeleine Delbrel