Sonntag, 6. Dezember 2020

Der Ball des Gehorsams (1) - Madeleine Debrél

 

Rosheim - Kirche



Der Ball des Gehorsams (1)

‚Wir haben auf der Flöte gespielt und ihr habt nicht getanzt’

Heute ist 14. Juli.
Jedermann geht zum Tanz.
Allerorten, seit Monaten, Jahren, tanzt die Welt.
Je mehr man drin stirbt, umso mehr tanzt man.
Wogen des Krieges, wogender Ballsaal.

Das Ganze macht wirklich viel Lärm.
Die ernsthaften Leute haben sich schlafen gelegt.
Die Mönche singen die Matutin
Vom heiligen König Heinrich.
Ich aber denke an den anderen König,
den König David, der vor der Bundeslade tanzte.

Denn wenn es auch viele heiligmässige Leute gibt,
die nicht gern getanzt haben,
So gibt es doch auch Heilige,
denen der Tanz ein Bedürfnis war,
So glücklich waren sie zu leben:
Die heilige Teresa mit ihren Kastagnetten,
Johannes vom Kreuz mit dem Jesuskind auf dem Arm,
Und Franziskus vor dem Papst.
Wenn wir wirklich Freude an dir hätten, o Herr,
Könnten wir dem Bedürfnis, zu tanzen, nicht widerstehen
Das sich über die Welt hin ausbreitet.
Und wir könnten sogar erraten,
Welchen Tanz du getanzt haben willst,
indem wir uns den Schritten deiner Vorsehung überliessen.


Madeleine Debrél

Samstag, 5. Dezember 2020

Durstig - Antony de Mello

 

Rosheim



Durstig

Der Hauptgrund, warum viele Leute unglücklich sind, ist darin zu suchen, 
dass sie eine verkehrte Befriedigung aus ihren Leiden gewinnen", sagte der Meister.
Dann erzählte er, wie er einmal auf einer Bahnfahrt im oberen Bett eines Liegewagens die Nacht verbrachte. 
Es war ihm unmöglich einzuschlafen, da von unten her ständig ein Stöhnen zu hören war:

„Ach, bin ich durstig ... ach, bin ich durstig ...!"
Das Stöhnen wollte kein Ende nehmen. 

Da kletterte der Meister schließlich die Leiter hinunter, ging durch den ganzen Zug zum Speisewagen, 
kaufte zwei Becher Bier, ging den langen Weg zu seinem Abteil zurück 
und reichte die beiden Becher dem geplagten Mitreisenden.

„Hier ist etwas zu trinken!"


„Wunderbar, Gott sei Dank!"


Der Meister stieg die Leiter hoch und streckte sich wieder aus. 







Kaum hatte er die Augen geschlossen, hörte er es von unten her stöhnen: 


„Ach Gott, war ich durstig ... 


oh, war ich durstig!"

Antony de Mello





Freitag, 4. Dezember 2020

Es ist wichtig, von Zeit zu Zeit innezuhalten - Eileen Caddy

 


Straßburg - Liebfrauenmünster Illumination



                              Es ist wichtig, 
                              von Zeit zu Zeit innezuhalten,
                              zu sich selbst zu kommen
                              und nur zu sein.
                              Glaube nicht,
                              daß Du immer irgend etwas tun mußt,
                              weil Du sonst Zeit verschwendest.
 
                              Es ist wichtig,
                              daß Du Deinen eigenen Rhythmus findest,
                              und niemals versuchst,
                              mit dem Rhythmus anderer mitzuhalten.
 
                              Dies ist, warum so vieles falsch läuft:
                              Jeder versucht, mit jedem Anderen
                              Schritt zu halten,
                              und das Tempo wird schneller und schneller
                              und das Leben unerträglich.
                              Und fällt es langsamer aus,
                              so macht das auch nicht ein Jota.

                                                       Eileen Caddy





Donnerstag, 3. Dezember 2020

Emotionale Entscheidungen - Peter Horton

 

Straßbourg - Fachwerkhaus


Wer im Zustand einer Emotion
entscheiden zu kännen glaubt,

irrt.

Er wird entschieden.

Peter Horton





Mittwoch, 2. Dezember 2020

Reich sein - Jeremias Gotthelf

 

Wissembourg


                              Reich sein

                              an Freude

                              hängt

                              nicht von Reichtum,

                              nicht von Armut ab,

 

 

 

sondern

 

 

 

                              von einem genügsamen

                              und zufriedenen Herzen.


                              Jeremias Gotthelf




Dienstag, 1. Dezember 2020

Glück oder Unglück

 

Münster - Rathaus




Wir sind dann weise, 
wenn wir Gott die Entscheidung überlassen,
was Glück und was Unglück ist; 
wenn wir ihm danken, 
dass für jene, die ihn lieben, alles zum Besten gedeiht. 

Dann werden wir ein wenig an der wunderbaren mystischen Vision der Juliana von Norwich teilhaben, die einen Ausspruch tat, der mir von allen, die ich je gelesen habe, der liebste und tröstlichste ist: 

„Und alles wird gut sein; 
 und alles wird gut sein;  
und alle Dinge, die es gibt, 
werden gut sein!"



Anthony de Mello 



Montag, 30. November 2020

Meine Zeit steht in deinen Händen

 

Münster - Dom



Meine Zeit steht in deinen Händen

Text und Melodie: Peter Strauch


                              Meine Zeit steht in deinen Händen.
                              Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

                              Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
                              Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.
                              Sorgen quälen und werden mir zu groß.
                              Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein?
                              Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
                              Vater, du wirst bei mir sein.

                              Meine Zeit steht in deinen Händen.
                              Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

                              Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
                              Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.
                              Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb
                              nehmen mich gefangen, jagen mich.
                              Herr ich rufe: Komm und mach mich frei!
                              Führe du mich Schritt für Schritt.

                              Meine Zeit steht in deinen Händen.
                              Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

                              Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
                              Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.
                              Es gibt Tage die bleiben ohne Sinn.
                              hilflos seh ich wie die Zeit verrinnt.
                              Stunden, Tage, Jahre gehen hin,
                              und ich frag, wo sie geblieben sind.

                              Meine Zeit steht in deinen Händen.
                              Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

                              Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
                              Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.