Freitag, 17. September 2021

Der Herr sei - ALTCHRISTLICHES SEGENSGEBET


 



Der Herr sei neben dir,
um dich zu bewahren
vor der Heimtücke böser Menschen.
Der Herr sei unter dir,
um dich aufzufangen, wenn du fällst,
und dich aus der Schlinge zu ziehen.
Der Herr sei in dir,
um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum,
um dich zu verteidigen,
wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir,
um dich zu segnen.
So segne dich der gütige Gott.



ALTCHRISTLICHES SEGENSGEBET


Donnerstag, 16. September 2021

Bis die Seele nachkommt

 



Zu einer Zeit, als in Afrika das Reisen noch sehr beschwerlich war, kämpfte sich ein Forscher mit seinen Trägern durch dichtes Buschland. 

Weil er nach drei Tagen sein Ziel erreichen wollte, trieb er sie immer wieder zur Eile an. 
Zunächst ließen sie sich sein Drängen gefallen, dann aber setzten sie sich und blieben sitzen.
Die Sonne brannte heiß, die Luft flimmerte, nur ein paar Vögel sangen in die Stille hinein.
Der Forscher bat die Männer weiterzugehen, er drohte ihnen, er lockte sie. 
Nichts half Sie blieben sitzen.

Endlich kam ihm die Idee, zu fragen: „ Warum verweigert ihr die Arbeit? Warum geht ihr nicht weiter? "

Und da sagte einer der Träger den Satz, den der Forscher wohl nicht mehr vergessen konnte: 

„ Wir müssen warten, bis unsere Seele nachgekommen ist."



Mittwoch, 15. September 2021

Am Rand des Brunnendunkels - PABLO NERUDA

 



                Sinkt jeder Tag
                hinab in jeder Nacht,
                so gibt’s einen Brunnen,
                der drunten die Helligkeit hält.

                Man muß an den Rand
                des Brunnendunkels hocken,
                entsunkenes Licht zu angeln
                mit Geduld.

 

            PABLO NERUDA


Dienstag, 14. September 2021

LotterieLos - Anthony de Mello

 



Ein frommer und religiöser Mann hatte schwere Zeiten durchzumachen.
Er versuchte es nun mit folgendem Gebet:
„Herr, erinnere dich an all die Jahre, in denen ich dir diente,
so gut ich konnte und nichts dafür verlangte. Nun, da ich alt und bankrott bin,
möchte ich dich zum ersten Mal in meinem Leben um eine Gunst bitten,
und ich bin sicher, du wirst sie nicht abschlagen: lass mich in der Lotterie gewinnen."




Tage vergingen,







dann Wochen





und Monate.







Nichts geschah.















Schließlich rief
er eines Nachts voller Verzweiflung:
„Warum gibst du mir keine Chance, Gott?"




















Plötzlich hörte er die Stimme Gottes:










„Gib mir auch eine Chance!




















Warum kaufst du dir kein Los?"

Anthony de Mello

Montag, 13. September 2021

Zu sein ist Wunder - ULRICH SCHAFFER

 



               Zu sein
               ist Wunder genug.
           Zu spüren, daß ich bin,
           hier,
           in dieser Zeit
           und diesem Raum
           so einmalig und besonders.
           Eines Tages auf dieser Erde erschienen
           und später gesagt: Ich bin ich.
           Das ist Wunder genug.
           In den unendlichen, leeren Räumen des Universums,
           im Wunder des geheimen Ablaufs aller Dinge
           ist es das größere Wunder,
           daß ich bin,
           daß ich die Leere ausfülle
           mit dem Wunder des Lebens,
           daß ıch mich selbst erlebe,
           daß ich um mich weiß
           und dann nach außen vorstoße und dir begegne,
           Ich will nicht nach Wundern suchen,
           sondern mir bewußt machen,
           daß ich Wunder genug bin.
           Ich will mich feiern,
           wie Gott mich feiert.

           ULRICH SCHAFFER

 


Sonntag, 12. September 2021

"Es" - AUS DEM ZEN

 





Du magst es beschreiben,
aber vergeblich.
Male es, es hat keinen Wert.
Wenn die Welt zusammenstürzt,
»Es« ist unzerstörbar.

 

AUS DEM ZEN


 








               Wann strahlst Du? (3)

                     Carsten Meyer, Jacques Palminger


               Ich liebe die, die staunen können
               Über die Blume auf dem Schrott
           Die lieber im Jetzt als im Morgen leben
           Und die einfach austreten aus dem Trott

           Nicht die, die im Vielleicht und im Irgendwann
           Alle Energie vergraben
           Und sich mit grauem Trübsinn
           Ganz einbalsamiert haben

           Ich schulde dem Leben das Leuchten in meinen Augen
           Wann strahlst du?
           Ich schulde dem Leben das Leuchten in meinen Augen


           Wann strahlst du?
           Wann strahlst du?
           Wann strahlst du?