Freitag, 3. Mai 2013
Donnerstag, 2. Mai 2013
Schubladen
Schubladen und Etiketten sind sehr wichtig für uns. „Ich bin
Sozialdemokrat", sagen wir.
Doch sind Sie es wirklich? Sie wollen doch nicht
sagen, dass Sie, wenn Sie die Partei wechseln, ein neues „Ich" besitzen.
Ist es nicht dasselbe „Ich" mit neuen politischen Überzeugungen?
Ist es nicht dasselbe „Ich" mit neuen politischen Überzeugungen?
Ich erinnere mich an einen Mann, der seinen
Freund fragte: „Wirst du sozialdemokratisch wählen?"
Der Freund antwortete: „Nein, ich werde für
die Christdemokraten stimmen. Mein Vater war Christdemokrat, mein Großvater war
Christdemokrat und mein Urgroßvater war schon Christdemokrat."
Darauf erwiderte der Mann: „Eine seltsame
Logik! Wenn dein Vater Pferdedieb war, dein Großvater Pferdedieb war, und dein
Urgroßvater Pferdedieb war, was wärst du dann?"
„Ach", entgegnete der Freund, „dann wäre
ich Sozialdemokrat."
Mittwoch, 1. Mai 2013
Man muß weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muß den Atem anhalten,
bis der Wind nachläßt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Licht von Spiel und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es an das Grab
unserer Mutter.
Hilde Domin
Dienstag, 30. April 2013
Wer bist du!
Eine Frau lag im Koma. Plötzlich hatte sie das Gefühl, sie käme in den
Himmel und stände vor dem Richterstuhl.
„Wer bist du?" fragte eine Stimme.
„Ich bin die Frau des Bürgermeisters",
erwiderte sie.
„Ich habe nicht gefragt, wessen Ehefrau du
bist, sondern wer du bist."
„Ich bin die Mutter von vier Kindern."
„Ich habe nicht gefragt, wessen Mutter du bist,
sondern wer du bist."
„Ich bin Lehrerin."
„Ich habe nicht nach deinem Beruf gefragt,
sondern wer du bist."
Und so ging es weiter. Alles, was sie
erwiderte, schien keine befriedigende Antwort auf die Frage zu sein: „Wer bist
du?"
„Ich bin eine Christin."
„Ich fragte nicht, welcher Religion du
angehörst, sondern wer du bist."
„Ich bin die, die jeden Tag in die Kirche
ging und immer den Armen und Hilfsbedürftigen half."
„Ich fragte nicht, was du tatest, sondern wer
du bist."
Offensichtlich bestand sie die Prüfung nicht,
denn sie wurde zurück auf die Erde geschickt. Als sie wieder gesund war, beschloss
sie, herauszufinden, wer sie war. Und darin lag der ganze Unterschied.
Deine Pflicht ist es, zu sein. Nicht irgendjemand,
nicht ein Niemand - denn darin liegt Habgier und Ehrgeiz -, nicht dies oder
jenes zu sein - und dadurch abhängig zu werden - sondern einfach zu sein.
Anthony de Mello
Montag, 29. April 2013
Sonntag, 28. April 2013
APRIL (2)
Ein Satz, der ihm schon lange begleitet geht dem Pilger
durch den Sinn:
Das Leben
ist eine Folge
von vielen
kleinen Toten
gefolgt
von Ansätzen einer
Auferstehung
So gesehen ist das ganze Leben eine EinÜBUNG und ein WEG zu
der AUFerSTEHung,
die uns verkündet wurde – von einfachen Menschen, nicht von
den Gelehrten und Mächtigen.
Wegkreuze und Kreuze
in unserem Lebensweg –
die Lesezeichen der
Botschaft von der AUFerSTEHung,
von der es keine
Augenzeugen, wohl aber Lebenszeugen gibt.
Die immer wieder aufkommende Frage: Wie war das mit der
Auferstehung WIRKlich?
kann keine AntWORT finden –
auch nicht, wenn ein
Augenzeugenbericht incl eines Auferstehungsvideos über die Zeiten zu uns kommen
würde.
Wohl aber könnte ich mich fragen:
Was macht die Botschaft
der AUFerSTEHung mit MIR?
Was mache ich aus dieser Botschaft der AUFerSTEHung – an jedem
Tag meines Lebens?
Welche AusWIRKung hat
diese unglaubliche Botschaft für MICH?
Samstag, 27. April 2013
APRIL (1)
Der Pilger ist wieder unterwegs.
Zwar ist der Winter noch sehr zäh und vom Frühling noch scheinbar nichts zu
sehen – doch dem kundigen Auge entgehen die winzigen Spuren doch nicht.
Die Natur hat in der
Brachzeit des Winters neue Kräfte gesammelt
– auch wenn der
Winter sich mit seinem Ostwind sich dagegen stemmt –
die Lebenskraft wird
sich durchsetzen.
‚Woher nehme ich eigentlich diese
Zuversicht? ‘ geht es dem Pilger durch den Kopf.
Reine Statistik –
weil das eben immer so war…‘ verschiedene Stimmen gehen ihm durch den Sinn;
jede mit einer anderen Gefühlsfärbung.
Je nachdem welcher er folgt, hat
das ganz subtile Auswirkungen auf seine Stimmung.
Der Weg zieht sich hin – wenn auch vor einer tollen Kulisse:
Sonne, strahlendblauer Himmel, durchzogen von weißen Wolken.
Der Pilger macht seine Mittagsrast bei einem schlichten
Wegkreuz.
Wegkreuze sind eigentlich immer etwas Besonderes auf seinem
Weg –
wer sie wohl auswelchen
Gründen errichtet hat …
Als Versprechen für die
Rettung aus Not und Elend
Als Dank nach einer
Rettung aus einer Not
Als Erinnerung an eine schlimme Tat, eine furchtbares
Unglück, eine sinnlose Schlacht
Einfach so als
ErINNERung an Tod und Auferweckung
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